Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einem 2.000 Jahre alten Mosaik in Neapel. Die Farben leuchten noch immer. Die Gesichter wirken vertraut, fast modern. Und plötzlich fragen Sie sich: Was wollten diese Menschen uns eigentlich sagen? Genau diese Frage treibt Kunstliebhaber, Sammler und Historiker seit Jahrhunderten um. Römische Kunst ist weit mehr als ein Kapitel im Geschichtsbuch. Sie ist ein Spiegel einer Weltmacht – und ein Markt, der bis heute mehr bewegt, als die meisten ahnen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

• Römische Kunst umfasst einen Zeitraum von rund 900 Jahren – von der Republik bis zum späten Weströmischen Reich
• Über 1 Million antike römische Objekte befinden sich weltweit in Museen und Privatsammlungen
• Der Markt für antike Kunst erzielte laut Artprice.com allein 2023 Auktionsumsätze in Milliardenhöhe
• Römische Kunst beeinflusst die westliche Kunstgeschichte bis heute direkt – von der Renaissance bis zum Neoklassizismus
• Reproduktionen und stilistisch inspirierte Werke sind der zugänglichste Einstieg für Sammler mit jedem Budget
• Viele Käufer unterschätzen, wie stark römisch inspirierte Motive in der zeitgenössischen Kunst präsent sind

Was ist römische Kunst überhaupt?

römische kunst Infografik
Infografik: römische kunst

Die Antwort klingt simpel – ist es aber ganz und gar. Römische Kunst bezeichnet die visuelle Kultur des antiken Roms: Skulptur, Malerei, Mosaik, Architektur, Münzprägung und angewandte Kunst, die im Einflussbereich Roms entstanden. Zeitlich reicht das grob vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. Fast tausend Jahre. Ein gewaltiger Bogen, der sich über Königszeit, Republik und Kaiserreich spannt – und entsprechend eine lebendige, sich wandelnde visuelle Sprache hervorgebracht hat, die alles andere als einheitlich war.

Was dabei oft zu kurz kommt: Die Römer waren eigenständige Schöpfer. Ja, sie übernahmen massiv von den Griechen. Aber sie entwickelten das Übernommene weiter, kombinierten es mit etruskischen, ägyptischen und orientalischen Einflüssen und schufen etwas genuin Eigenes. Der römische Realismus in der Porträtkunst etwa – mit all seinen Falten, Warzen und harten Gesichtszügen – war eine bewusste Abkehr vom griechischen Idealismus. Das war politisch. Das war Programm.

Laut dem Metropolitan Museum of Art lassen sich in der römischen Kunst mindestens vier große Entwicklungsphasen unterscheiden: die Republikanische Periode, die Augusteische Ära, die Kaiserzeit und die Spätantike. Jede Phase hat ihren eigenen ästhetischen Code, ihre eigene politische Botschaft. Wer das einmal verstanden hat, sieht antike Werke mit völlig neuen Augen.

In unserer Erfahrung mit Sammlern und Kunstinteressierten ist es genau dieser historische Tiefgang, der Menschen langfristig an das Thema bindet. Wer einmal anfängt, die Symbolik eines Triumphbogens oder die Komposition eines Kaiserporträts zu lesen, hört damit so schnell auch wieder auf.

Die wichtigsten Gattungen der römischen Kunst

Sprechen wir über das, was die Römer tatsächlich hinterließen – und warum es uns noch immer etwas sagt. Die Skulptur ist vermutlich die bekannteste Gattung. Kaiserstatuen, Büsten, Reliefs – sie schmückten Tempel, Foren, Privathäuser und Grabmäler. Besonders die Porträtbüste hat es zu ikonischer Bekanntheit gebracht. Der Realismus dieser Werke ist verblüffend. Die Büste des Caracalla aus dem frühen 3. Jahrhundert n. Chr., heute im Museo Nazionale Romano, gilt als eines der psychologisch tiefsten Bildnisse der gesamten Kunstgeschichte. Man sieht Aggression, Misstrauen, Herrschaftswillen – in Marmor gehauen.

Die Wandmalerei ist eine zweite Kernform. Pompeji und Herculaneum haben uns einen einzigartigen Einblick geschenkt. Die vier pompejanischen Stile, von einfachen Marmorimitat-Täfelungen bis zu illusionistischen Architekturperspektiven und aufwendigen Mythologieszenen, zeigen, wie weit die Römer in der Raumgestaltung dachten. Ehrlich gesagt sind diese Fresken für viele Besucher der eigentliche Schock – weniger die Ruinen als die malerische Raffinesse dahinter.

Mosaike sind die dritte große Gattung. Als Bodendekoration in Villen und Bädern, später auch als Wandverkleidung in frühchristlichen Bauten, erreichte das Mosaik in der Römerzeit eine technische Perfektion, die danach jahrhundertelang unerreicht blieb. Das Archäologische Nationalmuseum Neapel (MANN) bewahrt das sogenannte Alexandermosaik aus der Villa des Fauns – über 1,5 Millionen Einzelsteinchen, entstanden um 100 v. Chr. – als eines der größten Einzelkunstwerke der Antike.

Dann gibt es die angewandte Kunst: Gemmen, Kameen, Silbergefäße, Goldschmuck, Bronzeobjekte. Diese Objekte wurden täglich benutzt, waren aber gleichzeitig Kunstwerke höchster Qualität. Der Markt für antike Kleinfunde und Reproduktionen in diesem Bereich ist heute überraschend aktiv – ein Punkt, auf den wir noch zurückkommen.

Römisches Beton und die vergessene Materialrevolution

Es gibt ein Detail in der Geschichte der römischen Kunst und Architektur, das selbst unter Fachleuten lange unterschätzt wurde und das ich für eines der faszinierendsten halte: die Zusammensetzung des römischen Betons, des sogenannten opus caementicium. Erst 2023 veröffentlichten Forscher des MIT und der Harvard University eine Studie in der Zeitschrift Science Advances, die zeigt, dass die Römer ihrem Beton absichtlich Kalkklumpen beimischten – sogenannte „Kalkeinschlüsse“, die man lange für Verarbeitungsfehler hielt. Diese Klumpen erwiesen sich als geniale Selbstheilungsmechanismen: Wenn Risse im Beton entstanden und Wasser eindrang, lösten sich die Kalkpartikel auf und verschlossen den Riss von selbst durch Rekristallisation.

Das bedeutet: Römischer Beton repariert sich buchstäblich selbst. Es ist der Grund, warum das Pantheon – mit seiner freitragenden Kuppel von 43 Metern Spannweite, fast 1.900 Jahre alt – bis heute intakt steht, während moderne Betonbauten nach 50 bis 100 Jahren zerfallen. Die Römer verfügten über eine Materialtechnologie, deren volles Prinzip wir erst im 21. Jahrhundert entschlüsselt haben. Wenn man bedenkt, dass diese Technologie die physische Grundlage für einen Großteil der monumentalen römischen Kunst bildete – für die Tempel, Thermen, Amphitheater, in denen Skulpturen, Mosaike und Fresken erst ihren Raum fanden –, wird klar, wie tief das Zusammenspiel von Handwerk, Wissenschaft und Ästhetik im römischen Denken verankert war.

Römische Kunst vs. griechische Kunst: Der entscheidende Unterschied

Diese Frage kommt in fast jedem Gespräch über antike Kunst auf. Und die meisten Antworten greifen zu kurz. Ja, die Römer haben griechische Skulpturen kopiert. Schätzungsweise 80 % unseres Wissens über griechische Originalplastik basiert auf römischen Kopien, da die griechischen Bronze-Originale meist eingeschmolzen wurden. Das macht die Römer zu Archivaren einer Hochkultur – und ironischerweise zu deren wichtigsten Überlieferern.

Der tiefere Unterschied liegt in der Funktion von Kunst. Griechische Kunst suchte das Ideal, den vollkommenen Körper, die göttliche Form. Römische Kunst suchte die Autorität. Ein griechisches Götterbildnis wollte das Transzendente spürbar machen. Eine römische Kaiserstatue wollte politische Macht sichtbar und unanfechtbar machen. Das ist ein fundamentaler Unterschied in der Kunstphilosophie.

Praktisch zeigt sich das am deutlichsten im Porträt. Griechische Porträts waren idealisiert, beinahe persönlichkeitslos in ihrer Glätte. Römische Republikaner-Porträts hingegen zeigten Altersspuren, Narben, harte Gesichtszüge. Das hatte einen kulturellen Grund: Im republikanischen Rom galt das Alter als Zeichen von Weisheit und Lebenserfahrung, lateinisch auctoritas. Schönheit war verdächtig. Charakter war Kapital.

Was Kunsthändler selten offen aussprechen: Viele Käufer, die sich für „griechische Kunst“ interessieren, kaufen tatsächlich römische Werke oder Reproduktionen römischer Kopien griechischer Originale. Die Provenienz-Kette ist komplex. Wer auf dem Markt aktiv ist, sollte das wissen – und Angebote entsprechend kritisch prüfen.

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Hat römische Kunst ein gutes Investitionspotenzial?

Jetzt wird es interessant. Und ehrlich. Antike römische Originalwerke sind seit Jahrzehnten ein etablierter Teil des Kunstmarkts – aber ein durchaus komplizierter. Laut dem Artprice Global Art Market Report gehört antike Kunst zu den stabilsten Segmenten des Kunstmarkts, erzielt aber seltener die spektakulären Preissteigerungen wie zeitgenössische Werke. Das liegt an der eingeschränkten Handelbarkeit: Seit der UNESCO-Konvention von 1970 und den nationalen Kulturgüterschutzgesetzen sind viele antike Objekte ohne lückenlose Provenienz schlicht rechtlich problematisch.

Das ist der Punkt, den die meisten Ratgeber verfehlen. Sie behandeln antike Kunst wie jede andere Assetklasse. Aber wer heute ein römisches Bronzerelief ohne einwandfreie Dokumentation kauft, riskiert weit mehr als finanzielle Verluste – er riskiert rechtliche Konsequenzen. Seit 2023 haben allein die USA und Italien über 40 bedeutende Restitutionsfälle abgeschlossen, bei denen Objekte aus Privatsammlungen und Museen zurückgegeben wurden. Das betrifft auch seriöse Käufer, die gutgläubig handelten.

Was also tun? Die klügsten Sammler in unserem Netzwerk verfolgen seit Jahren eine zweigleisige Strategie. Erstens: zertifizierte antike Kleinfunde mit makelloser Provenienz, die unterhalb der öffentlichen Aufmerksamkeitsschwelle gehandelt werden. Zweitens – und das ist zunehmend attraktiv – qualitativ hochwertige, von Künstlern geschaffene Werke, die sich gezielt auf römische Themen, Formen und Ästhetik beziehen. Diese Werke haben keine Provenienzprobleme, sie sind frei handelbar, und ihr Wert hängt von der Qualität des ausführenden Künstlers ab.

Laut dem Art Basel & UBS Global Art Market Report 2024 wächst das Interesse an Werken mit historischen Referenzen in der zeitgenössischen Kunst überdurchschnittlich stark. Käufer suchen Tiefe. Sie suchen Bedeutung. Ein zeitgenössisches Ölgemälde, das sich mit römischer Mythologie oder Architektur auseinandersetzt, verbindet die ästhetische Wirkung antiker Motive mit der rechtlichen und emotionalen Zugänglichkeit zeitgenössischer Kunst.

Warum gängige Einführungen in die römische Kunst oft am Wesentlichen vorbeigehen

Die meisten Einführungen – ob in Schulbüchern, Museumsführern oder Online-Texten – machen denselben Fehler. Sie behandeln das Thema chronologisch und taxonomisch. Sie listen Dynastien auf, nennen Stilepochen, beschreiben Werke. Was sie dabei auslassen: Sie erklären kaum, wie man ein Werk tatsächlich liest. Und sie verschweigen die politische Dimension fast vollständig.

Nehmen wir die Ara Pacis Augustae in Rom. Die meisten Texte beschreiben sie als „Altar des Augusteischen Friedens, erbaut 13–9 v. Chr.“ Das stimmt. Aber was sie wirklich ist: ein meisterhaftes Instrument der politischen Kommunikation. Augustus ließ sich hier in einer Prozession mit Göttern, Priestern und Staatsoffiziellen gleichstellen. Die Reliefs zeigen seine Familie in einer Selbstverständlichkeit, die monarchische Kontinuität impliziert – in einem Staat, der sich noch als Republik verstand. Das ist politische Propaganda auf höchstem künstlerischem Niveau.

Hier liegt ein Kerngedanke, der mir persönlich wichtig ist: Ich bin überzeugt, dass die größte Leistung der römischen Kunst darin besteht, die Grenze zwischen Ästhetik und Macht so vollständig aufgelöst zu haben, dass beides untrennbar wurde. Die Griechen schufen Schönheit um der Schönheit willen – oder zumindest behaupteten sie das. Die Römer waren ehrlicher, vielleicht auch zynischer: Sie verstanden, dass jedes Bild eine Behauptung ist, jede Statue ein Argument, jeder Tempel eine Drohung und ein Versprechen zugleich. Dieses Verständnis von Kunst als Machtsprache ist so modern, dass es erschreckt. Wer heute Unternehmensarchitektur, politische Inszenierung oder die Ästhetik sozialer Medien betrachtet, erkennt darin die Enkel Roms. Wir haben die Technik verändert, die Logik ist geblieben. Und deshalb halte ich die Beschäftigung mit römischer Kunst für weit mehr als historische Bildung – sie ist ein Trainingsfeld für visuelles Denken in einer Welt, die uns täglich mit Bildern regiert, die etwas von uns wollen.

Römische Kunst war eben äußerst selten l’art pour l’art. Sie diente fast immer einem Zweck – religiösen, politischen, funerären oder sozialen. Das schmälert ihren ästhetischen Wert kein Stück. Aber es verändert grundlegend, wie man sie betrachtet. Wenn Sie vor einer römischen Kaiserstatue stehen und sie als reines Kunstwerk sehen, entgeht Ihnen die Hälfte.

In unserer Erfahrung mit Sammlern, die sich neu in das Thema einarbeiten, ist dieser Perspektivwechsel der entscheidende Moment. Sobald Menschen verstehen, dass jede Geste, jedes Attribut, jede Materialwahl eine Aussage ist, wird das Betrachten antiker Kunst zu einem aktiven, intellektuell befriedigenden Prozess. Das ist der Unterschied zwischen einem Museumsbesuch, der einen kalt lässt, und einem, der begeistert.

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Römische Kunst in der Renaissance und ihre heutige Wirkung

Ohne die Römer hätte es die Renaissance so gegeben. Das klingt nach einer Übertreibung. Es ist keine. Als italienische Künstler des 14. und 15. Jahrhunderts begannen, die Überreste der antiken Welt systematisch zu studieren, fanden sie in der römischen Skulptur und Architektur ein formales Vokabular, das ihre eigene Arbeit revolutionierte. Michelangelo verbrachte Stunden in den Ruinen Roms. Raffael wurde von Papst Leo X. zum Superintendenten der römischen Antiken ernannt.

Schätzungsweise über 300 antike Skulpturen und Fragmente, die während der Renaissance ausgegraben wurden, veränderten direkt die Formensprache der europäischen Kunst – eine Zahl, die Kunsthistoriker wie Paul Zanker in seinen Studien zur Wirkungsgeschichte antiker Kunst immer wieder belegen. Der Laokoon, 1506 in Rom ausgegraben, erschütterte die Kunstwelt seiner Zeit wie ein Erdbeben. Michelangelo soll beim Anblick geweint haben.

Diese Wirkungskette reißt zu keinem Zeitpunkt ab. Der Neoklassizismus des 18. Jahrhunderts – Canova, David, Thorvaldsen – greift direkt auf römische Vorbilder zurück. Die Architektur der europäischen Kapitalen, von Paris bis St. Petersburg, ist ohne den römischen Einfluss undenkbar. Und zeitgenössische Künstler? Sie zitieren, ironisieren, dekonstruieren römische Motive – aber sie kommen an ihnen schlicht vorbei.

Was uns Galeristen immer wieder berichten: Sammler, die sich für zeitgenössische Kunst mit historischen Referenzen interessieren, entwickeln oft parallel ein tieferes Interesse an der Quelle selbst. Wer ein zeitgenössisches Werk kauft, das sich auf römische Architektur bezieht, beginnt bald, die Architektur selbst zu studieren. Das ist ein sich selbst verstärkender Prozess – und einer, der den Markt für beide Segmente langfristig stärkt.

Römische Mythologie als Bildthema: Zeitlos und marktrelevant

Jupiter, Venus, Mars, Bacchus, Diana – die römische Götterwelt ist eine der reichsten ikonographischen Quellen der westlichen Kunst. Und zwar weit über die Antike hinaus. Kunstwerke, die mythologische Themen aufgreifen, verkaufen sich in Galerien und auf Auktionen regelmäßig gut – weil sie Geschichten erzählen, die jeder kennt, und weil sie eine emotionale Resonanz haben, die von der jeweiligen Epoche unabhängig bleibt.

Das kommt aus gutem Grund. Die römische Mythologie war von Beginn an ein Instrument zur Verarbeitung menschlicher Grunderfahrungen: Liebe, Macht, Verlust, Transformation, Krieg. Ovids Metamorphosen, entstanden um das Jahr 8 n. Chr., sind bis heute eines der meistverarbeiteten literarischen Werke in der bildenden Kunst. Allein im Louvre befinden sich über 200 Gemälde und Skulpturen, die direkt auf Ovids Texte zurückgehen.

Was Sammler heute suchen, ist oft genau diese Verbindung: ein Werk, das ästhetisch anspruchsvoll ist, das aber auch etwas erzählt. Zeitgenössische Künstler, die römische Mythologie reinterpretieren statt bloß illustrieren – die Venus in einem modernen Kontext zeigen, die Motive dekonstruieren oder mit neuen Bedeutungsebenen aufladen – schaffen Werke mit echter Tiefe und Sammlerwert.

Das klingt leichter, als es ist. Die Reinterpretation mythologischer Themen kann schnell in Klischee oder Dekorativität abdriften. Was die wirklich guten Werke auszeichnet, ist ein klarer konzeptueller Standpunkt. Die Künstlerin oder der Künstler muss etwas zu sagen haben – etwas, das über das bereits Tausendfachgesagte hinausgeht.

Römische Kunst kaufen: Was Sammler wissen müssen

Ehrlich gesagt: Der Markt für antike römische Objekte ist für Einsteiger ein Minenfeld. Das liegt weniger daran, dass alle Händler unseriös wären. Es liegt daran, dass die rechtliche Lage komplex ist, die Expertise-Anforderungen hoch sind und gefälschte oder illegal ausgegrabene Objekte auch auf renommierten Plattformen auftauchen. Die UNESCO-Konvention von 1970 ist der internationale Rahmen – aber ihre Umsetzung bleibt lückenhaft.

Was wirklich erfahrene Sammler tun: Sie kaufen ausschließlich mit vollständiger Provenienz-Dokumentation, idealerweise mit Nachweis, dass das Objekt vor 1970 in einer registrierten Sammlung war. Sie arbeiten mit spezialisierten Auktionshäusern wie Christie’s oder Sotheby’s zusammen, die eigene Provenienz-Teams unterhalten. Und sie kaufen im Urlaub niemals impulsiv in Ländern mit aktiver archäologischer Situation.

Für die überwiegende Mehrheit der Kunstliebhaber ist der zugänglichere und rechtlich unkomplizierte Weg die zeitgenössische Kunst mit historischen Bezügen. Hochwertige Ölgemälde und Drucke, die sich auf römische Themen beziehen – Architektur, Mythologie, Porträt, Landschaft – bieten ästhetischen Genuss, intellektuelle Tiefe und eine Wertentwicklung, die von der Qualität des Künstlers abhängt statt von Provenienz-Risiken.

In unserer Erfahrung mit Käufern, die sich für historisch informierte zeitgenössische Werke entscheiden, ist die Zufriedenheit langfristig deutlich höher als bei impulsiv gekauften vermeintlichen Antiken. Das Werk hängt an der Wand, erzählt täglich seine Geschichte, und der Käufer schläft ruhig.

Fazit: Römische Kunst als lebendiges Erbe

Römische Kunst ist kein Museumsthema. Sie ist ein lebendiges Erbe, das unsere visuelle Kultur bis heute prägt, das Künstler inspiriert und das Sammler auf der ganzen Welt bewegt. Vom Kaiserporträt bis zum mythologischen Fresko, von der Triumpharchitektur bis zum intimen Goldring – die Römer haben eine visuelle Sprache hinterlassen, die nach zweitausend Jahren noch immer gesprochen wird.

Was die wirklich interessante Frage für jeden Sammler heute ist: Wie verbindet man die Tiefe und Ästhetik dieser Tradition mit dem, was man an die eigene Wand hängt? Die Antwort liegt keineswegs zwingend in einem antiken Original mit ungesicherter Provenienz. Sie liegt in Werken zeitgenössischer Künstler, die diese Tradition kennen, respektieren und mit eigenem Blick weiterdenken. Das ist es, was Kunstgeschichte lebendig hält.

Wenn Sie das nächste Mal vor einem Werk stehen, das Säulen zeigt, eine mythologische Figur, ein Gesicht mit der psychologischen Dichte eines römischen Porträts – fragen Sie sich: Was will dieses Werk sagen? Die Römer haben uns diese Frage gelehrt. Sie ist noch immer die richtige.


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Quellenverzeichnis

Metropolitan Museum of Art: „Roman Art“ – Heilbrunn Timeline of Art History. https://www.metmuseum.org/toah/hd/roam/hd_roam.htm (Abgerufen: Juni 2025)
Museo Archeologico Nazionale di Napoli (MANN) – Offizielle Website. https://mann-napoli.it/ (Abgerufen: Juni 2025)
Artprice.com – Global Art Market Report 2023. https://www.artprice.com (Abgerufen: Juni 2025)
Art Basel & UBS – The Art Market Report 2024. https://www.artbasel.com/about/initiatives/the-art-market (Abgerufen: Juni 2025)
UNESCO – Convention on the Means of Prohibiting and Preventing the Illicit Import, Export and Transfer of Ownership of Cultural Property, 1970. https://www.unesco.org/en/legal-affairs/convention-means-prohibiting-and-preventing-illicit-import-export-and-transfer-ownership (Abgerufen: Juni 2025)
Seymour, L.M. et al.: „Hot mixing: Mechanistic insights into the durability of ancient Roman concrete.“ Science Advances, Vol. 9, Nr. 1, 2023. https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.add1602 (Abgerufen: Juni 2025)

 

Häufig gestellte Fragen zu römischer Kunst

Was genau versteht man unter römischer Kunst?

Römische Kunst umfasst alles, was im Einflussbereich des antiken Roms an visueller Kultur entstanden ist – also Skulpturen, Mosaike, Wandmalereien, Münzen und Architektur. Der Zeitraum erstreckt sich über rund 900 Jahre, von der frühen Republik bis zum Ende des Weströmischen Reichs. Es geht also um weit mehr als die Bauten in Rom selbst.

Wie hat römische Kunst die westliche Kunstgeschichte beeinflusst?

Der Einfluss ist enorm und reicht direkt bis in die heutige Zeit – die Renaissance hat sich zum Beispiel bewusst an römischen Vorbildern orientiert, und auch der Neoklassizismus im 18. und 19. Jahrhundert greift massiv auf römische Motive zurück. Selbst in der zeitgenössischen Kunst begegnen uns römisch inspirierte Darstellungen öfter, als die meisten Leute vermuten. Ohne Rom sähe die westliche Kunstgeschichte grundlegend anders aus.

Warum wirken römische Kunstwerke wie Mosaike noch heute so lebendig?

Das liegt vor allem an der handwerklichen Präzision und den hochwertigen Materialien, die die Römer verwendet haben – Naturstein, Glas und Mineralfarben halten Jahrtausende. Dazu kommt, dass römische Künstler einen starken Sinn für realistische Darstellung hatten, der die abgebildeten Gesichter und Szenen erstaunlich vertraut wirken lässt. Wer einmal vor einem Original steht, versteht sofort, warum Menschen davon bis heute fasziniert sind.

Welche römischen Kunstwerke kann man als Privatperson sammeln?

Originalantike Stücke gibt es tatsächlich noch auf dem Kunstmarkt – kleine Münzen, Keramikfragmente oder Glasobjekte sind oft erschwinglich und legal handelbar, wenn die Provenienz stimmt. Wer mit einem kleineren Budget einsteigt, findet in hochwertigen Reproduktionen und zeitgenössischen Werken mit römischer Inspiration einen guten Einstieg. Der Auktionsmarkt für antike Kunst bewegt laut Artprice.com allein 2023 Milliardenumsätze, das Angebot ist also durchaus vielfältig.

Wo kann man römische Kunst heute noch im Original sehen?

Die beeindruckendsten Sammlungen finden sich in Italien, zum Beispiel in den Vatikanischen Museen, dem Nationalmuseum in Rom oder dem Archäologischen Museum in Neapel – dort hängen unter anderem die berühmten Mosaike aus Pompeji. Weltweit beherbergen Museen und Privatsammlungen über eine Million antike römische Objekte, sodass man auch im British Museum in London oder im Louvre in Paris fündig wird. Ein Besuch lohnt sich wirklich, weil kein Foto die Wirkung eines echten 2.000 Jahre alten Originals ersetzen kann.

Ella Gotthardt, Malerin und Zeichnerin aus Berlin
Ella Gotthardt
Malerin & Künstlerin · Berlin

Ella Gotthardt ist Künstlerin aus Berlin, spezialisiert auf Ölportraits und klassische Zeichnungen in Kohle & Graphit. Ihre Werke hängen in Privathäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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