Auftragsmalerei – Der vollständige Leitfaden

Auftragsmalerei · Insider-Leitfaden · Für Käufer & Schenkende

Auftragsmalerei
Leitfaden

Was Auftragskünstler Ihnen nie sagen. Was schiefgeht. Wie Sie das perfekte Gemälde in Auftrag geben – egal für wen, egal mit welchem Budget.

Ella Gotthardt, Auftragsmalerin 20 Minuten Lesezeit Aktualisiert 19.03.2026

Sie haben eine Idee – ein Bild, das es so noch nicht gibt. Ein Portrait der Oma, ein Hochzeitsgemälde, das Haus der Familie, die Skyline der Stadt, in der Sie aufgewachsen sind. Sie wollen, dass jemand das malt. Und jetzt sitzen Sie vor Google und wissen nicht: Wo anfangen? Was kostet das wirklich? Wie findet man jemanden, der gut ist – nicht nur gut auf Instagram? Und wie stellt man sicher, dass das Ergebnis das wird, was man sich vorgestellt hat?

Ich beantworte diese Fragen täglich. Ich bin selbst Auftragsmalerin und habe in über zehn Jahren Hunderte von Aufträgen begleitet – als Künstlerin, aber auch als jemand, der Klienten beim Auftragsgeberprozess berät. Dieser Leitfaden enthält alles, was ich in dieser Zeit gelernt habe. Ohne Beschönigung. Ohne Werbegerede. Mit konkreten Zahlen und klaren Handlungsanweisungen für jeden Fall.

  • Auftragsmalerei kostet zwischen 80 Euro und 15.000 Euro – der Preis hängt von Technik, Größe, Künstlerniveau und Komplexität ab, nicht von Qualität allein.
  • Die häufigste Enttäuschung: kein klares Briefing. Wer nicht genau beschreibt, was er will, bekommt nicht, was er sich vorgestellt hat.
  • Portfolio vor Stil: Immer Beispielarbeiten in genau der Technik ansehen, die Sie möchten – nicht Werke, die sich gut anfühlen, aber technisch anders sind.
  • Ein schriftlicher Vertrag mit Revisionsregelung ist keine Übervorsicht – er schützt beide Seiten und macht Erwartungen klar.
  • Dieser Artikel enthält Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Portrait, Landschaft, Hochzeit, Geschenk, Haustier und digitale Auftragsmalerei.
  • Anzahlungen sind normal (50 % üblich) – wer keine akzeptiert, ist entweder unerfahren oder hat keinen Kalender.
  • Die wichtigste Frage, die fast niemand stellt: Wie sieht das Revisionsverfahren aus? Die Antwort verrät mehr über die Professionalität eines Künstlers als jedes Portfolio.

Warum Auftragsmalerei so oft enttäuscht – und wie Sie das verhindern

Laut einer Erhebung des KfW-Kunstmarktberichts wächst der Markt für individuelle Auftragskunst seit Jahren – getrieben durch den Wunsch nach Einzigartigkeit in einer Welt voller Massenware. Gleichzeitig explodieren Plattformen wie Etsy, Fiverr und Instagram mit Künstlerangeboten, die Vergleiche schwer machen. Das Problem: Die meisten Menschen wissen nicht, wie man einen Kunstauftrag so formuliert, dass er wirklich gelingt.

Was uns Galeristinnen und Kolleginnen immer wieder berichten: Mehr als die Hälfte aller Enttäuschungen bei Auftragsarbeiten haben nichts mit dem Können des Künstlers zu tun. Sie entstehen durch fehlende Kommunikation, unrealistische Vorstellungen oder den falschen Kanal für den falschen Stil. Der Künstler liefert technisch einwandfreie Arbeit – aber nicht das, was der Auftraggeber sich vorgestellt hatte. Beide sind unglücklich. Das ist vermeidbar.

Das System Auftragsmalerei hat ein strukturelles Problem: Der Käufer kauft etwas, das noch nicht existiert. Er kann es nicht anfassen, nicht sehen, nicht zurückgeben wie ein Produkt. Er kauft Vertrauen und Prozess. Wer diesen Prozess nicht versteht, ist von Anfang an im Nachteil.

Die wichtigste Erkenntnis vorab Ein gutes Auftragsgemälde entsteht zu 40 % durch das Können des Künstlers – und zu 60 % durch die Qualität des Briefings. Das klingt übertrieben. Ist es nicht.

Die sechs häufigsten Anlässe – und was jeder davon wirklich bedeutet

Nicht alle Auftragsgemälde sind gleich. Hinter dem Wunsch „ein Bild malen lassen" stecken sehr unterschiedliche Situationen, die verschiedene Herangehensweisen erfordern. Hier sind die sechs häufigsten.

👤 Portrait – Person

Einzelperson oder Familie. Oft als Geschenk oder für die Wohnung. Fotos als Vorlage üblich. Größte Herausforderung: Ähnlichkeit und Lebendigkeit gleichzeitig.

→ Schriftliches Briefing + viele Referenzfotos

🐾 Haustier-Portrait

Einer der häufigsten Auftragstypen. Emotional aufgeladen, technisch anspruchsvoll. Der häufigste Fehler: zu wenig Fotos in zu wenig Auflösung.

→ Mindestens 10–15 Fotos, verschiedene Winkel

💍 Hochzeit / Jubiläum

Hoher emotionaler Wert, klare zeitliche Deadline. Braucht die meiste Vorlaufzeit. Bitte niemals ohne Deadline-Vereinbarung beauftragen.

→ 3–6 Monate Vorlauf minimum

🏡 Haus / Ort / Landschaft

Erinnerungsstück, Geschenk für jemanden mit Bezug zu einem Ort. Lichtführung und Perspektive entscheidend.

→ Fotos zu verschiedenen Tageszeiten liefern

🎁 Geschenk für jemand anderen

Der schwierigste Auftrag. Sie entscheiden für jemand anderen – und kennen den Geschmack vielleicht nicht so gut, wie Sie glauben.

→ Stil-Referenzen der beschenkten Person recherchieren

🏢 Kommerzielle Auftragsmalerei

Unternehmen, Gastronomie, Büroräume. Hier gelten andere Rechtsfragen (Nutzungsrechte!) und andere Preisstrukturen.

→ Vertrag mit Nutzungsrechten ist Pflicht
Auftragsmalerei aus Berlin für ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz von Ella Gotthardt
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Techniken & Materialien – was wirklich hält und was nicht

Eine der wichtigsten Entscheidungen bei einer Auftragsarbeit – und eine, die die meisten Menschen gar nicht bewusst treffen: die Technik. Öl, Aquarell, Acryl, Kohle, Pastell, digitale Malerei. Jede hat andere Eigenschaften, andere Zeitrahmen, andere Preispunkte – und vor allem: einen anderen Langzeitwert.

Ölgemälde
ab 300 €

Der Klassiker. Satte Farben, tiefe Schichtungen, jahrhundertelange Haltbarkeit. Trocknungszeit: 2–8 Wochen je nach Schichtdicke.

Ideal für: Portraits, Landschaften, Interieur-Kunst
Aquarell
ab 120 €

Leicht, luminös, transparent. Empfindlicher gegenüber Licht und Feuchtigkeit. Kein Übermalen möglich – jeder Strich ist final.

Ideal für: Portraits, Botanik, Architektur
Acryl
ab 150 €

Schnell trocknend (1–2 Tage), vielseitig, robust. Günstiger als Öl, aber weniger Tiefe. Gut für moderne, grafische Stile.

Ideal für: Moderne Portraits, abstrakt, Pop Art
Kohle / Bleistift
ab 80 €

Schnell, ausdrucksstark, günstig. Muss fixiert werden. Langzeithaltbarkeit gut bei richtiger Aufbewahrung.

Ideal für: Portraits, Skizzen-Stil, Architektur
Pastell
ab 150 €

Samtweiche Oberfläche, intensive Farben. Sehr empfindlich, braucht Glas im Rahmen. Selten, daher besonders.

Ideal für: Portraits, Landschaften, weiche Stimmungen
Digitale Malerei
ab 60 €

Keine physische Originalarbeit. Als Druck günstig. Kein Unikat, aber beliebig reproduzierbar. Auf Druckqualität achten.

Ideal für: Budget-Aufträge, Social Media, Geschenke
Was viele nicht wissen: Digitale Malerei ist keine minderwertige Technik – sie ist eine andere Kategorie. Das Problem entsteht, wenn man digitale Arbeiten als Original kauft und dafür Öl-Preise bezahlt. Achten Sie beim Auftrag immer darauf, ob Sie ein physisches Original oder eine Druckdatei erhalten.

Was Auftragsmalerei wirklich kostet – und warum Billigangebote gefährlich sind

Die ehrlichste Antwort auf die Frage „Was kostet ein Auftragsgemälde?" ist: sehr unterschiedlich. Aber nicht beliebig. Es gibt Faktoren, die den Preis bestimmen – und wenn Sie diese kennen, können Sie jedes Angebot einordnen.

60–200 €
Einstiegssegment
Digital / Kohle
Kleine Formate
200–600 €
Mittelsegment
Aquarell / Acryl
A4–50×70 cm
600–2.000 €
Profisegment
Öl auf Leinwand
Mit Ausstellungshintergrund
2.000–15.000 €
Premium
Galerie-Künstler
Großformate / Serien

Preistreiber, die viele unterschätzen: Anzahl der Personen im Bild (jede Person verdoppelt nahezu die Arbeitszeit), Detailgrad (Hintergrund mit oder ohne Architektur?), Größe (100×120 cm kostet deutlich mehr als 30×40 cm), Künstlerreputation (Ausstellungsgeschichte, Galerievertretung) und Dringlichkeit (Expressaufschläge von 25–50 % sind normal).

Was passiert, wenn ein Angebot zu günstig ist? Drei Szenarien: Der Künstler ist unerfahren und liefert entsprechend. Der Künstler verwendet minderwertige Materialien – Leinwände, die sich verziehen, Farben, die verblassen. Oder das Bild ist digital, wird aber als Handarbeit verkauft. Alle drei Szenarien kommen regelmäßig vor.

Die Faustformel für faire Preise Ein Aquarell-Portrait in A4-Format von einem etablierten Künstler kostet zwischen 200 und 400 Euro. Ein Ölgemälde 50×70 cm zwischen 500 und 1.200 Euro. Darunter liegende Angebote sollten Sie sehr genau prüfen. Wer deutlich unter Marktpreis anbietet, macht irgendwo Abstriche – meistens bei Material, Zeit oder beidem.

Wo man den richtigen Künstler findet – und wie man Qualität von Instagramästhetik unterscheidet

Das Angebot an Auftragskünstlern war nie größer. Und die Qualitätsunterschiede waren nie schwerer zu erkennen. Instagram und Pinterest zeigen immer nur die besten Werke – nie die durchschnittlichen, nie die gescheiterten Aufträge. Wer einen Künstler ausschließlich nach Social-Media-Auftritt beurteilt, urteilt nach Marketingkompetenz, nicht nach handwerklichem Können.

Kanal Vorteile Nachteile Empfehlung
Instagram / Pinterest Große Auswahl, visuell Nur Highlights sichtbar, kein Prozess Orientierung
Etsy Bewertungen vorhanden, Preisorientierung Qualitätsspanne riesig, viel Digitales Mit Vorsicht
Persönliche Weiterempfehlung Echte Erfahrung, echter Output sichtbar Kleiner Kreis Beste Option
Galerie / Kunstschule Kuratierte Qualität, zuverlässig Teurer, weniger spontan Für größere Aufträge
Eigene Website des Künstlers Vollständiges Portfolio, Kontaktweg klar Recherche-aufwand Ideal
Fiverr / Upwork Günstig, schnell Viel Digitales, Qualitätsloterie Nur für kleines Budget

Wie man ein Portfolio wirklich liest

Schauen Sie nicht nur, ob Ihnen die Bilder gefallen. Schauen Sie, ob der Künstler was Sie wollen schon einmal gemacht hat – in genau der Technik, die Sie sich vorstellen. Ein Künstler, der wunderbare abstrakte Landschaften malt, ist nicht automatisch gut in naturalistischen Portraits. Das ist keine Frage des Könnens – es sind verschiedene Disziplinen.

Fragen Sie nach: Gibt es abgeschlossene Auftragsarbeiten in einer ähnlichen Kategorie? Kann ich mit jemandem sprechen, der bereits einen Auftrag erteilt hat? Wie sieht der Prozess aus – wie oft gibt es Zwischenstände? Das sind keine übertriebenen Forderungen. Sie sind Standards.

Insider-Wissen Bitten Sie den Künstler um ein Foto des fertigen Werks direkt nach Abschluss – nicht nach Fotografieren und Bildbearbeitung. Der Unterschied zwischen dem echten Werk und dem polierten Instagram-Bild verrät viel über die reale Qualität.
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Das perfekte Briefing – der wichtigste Teil, den fast alle falsch machen

Ein Briefing ist kein netter Hinweis. Es ist das Fundament des gesamten Auftrags. Und die meisten Briefings, die ich in meiner Karriere erhalten habe, bestanden aus drei Sätzen und zwei Fotos. Das reicht nicht. Das reicht niemals.

Was ein gutes Briefing enthält, ist keine Geheimwissenschaft – aber es braucht Zeit und Nachdenken. Ich habe ein Format entwickelt, das ich jedem Auftraggeber gebe, bevor wir anfangen. Es enthält sieben Punkte, und wer alle sieben beantwortet, bekommt fast immer genau das, was er sich vorgestellt hat.

1

Zweck und Kontext

Wozu ist das Bild? Geschenk? Eigene Wohnung? Büro? Welche Funktion hat es – Erinnerung, Dekoration, Repräsentation? Der Kontext beeinflusst Stil, Farbklima und Tonalität des Werks erheblich.

2

Referenzfotos in hoher Qualität

Für Portraits: mindestens 5–10 Fotos, verschiedene Winkel, gutes Licht, möglichst ohne Filterbearbeitung. Für Orte: verschiedene Tageszeiten und Wetter. Für Tiere: Fotos beim Stillhalten und in Bewegung. Qualität der Fotos = Qualität der Referenz = Qualität des Ergebnisses.

3

Stil-Referenzen (nicht nur der Künstler selbst)

Zeigen Sie drei bis fünf Bilder anderer Künstler, die die Atmosphäre treffen, die Sie sich vorstellen. Nicht unbedingt in derselben Technik – sondern die Stimmung, die Farbpalette, den Realismus- oder Abstraktionsgrad. Das ist die wichtigste Kommunikation überhaupt.

4

Format, Technik, Material

Exakte Maße in Zentimetern. Öl, Aquarell, Acryl oder offen? Leinwand, Holz, Papier? Soll es gerahmt geliefert werden? Diese technischen Angaben sind keine Formalität – sie bestimmen Preis und Aufwand direkt.

5

Was NICHT im Bild sein soll

Das wird fast immer vergessen. Soll der Hintergrund vereinfacht werden? Soll ein bestimmtes Detail wegfallen? Gibt es Farben, die Sie nicht wollen? Explizites Ausschließen ist genauso wichtig wie das Beschreiben des Gewünschten.

6

Deadline und Flexibilität

Wann brauchen Sie das Werk spätestens? Ist diese Deadline hart (Geburtstag, Hochzeit) oder flexibel? Planen Sie Puffer ein – mindestens zwei bis drei Wochen vor dem Termin als interne Deadline setzen, damit Korrekturen noch möglich sind.

7

Budget-Rahmen nennen

Ich weiß, das fühlt sich unangenehm an. Aber ein ehrlich genanntes Budget ermöglicht dem Künstler, ein realistisches Angebot zu machen – statt ein Angebot, das Ihnen gefällt, aber dann doch nicht das liefert, was möglich gewesen wäre.

Was die meisten Ratgeber falsch machen – und der Fehler, der am teuersten ist

Die meisten Artikel zu diesem Thema listen Tipps auf: „Kommunizieren Sie klar", „Prüfen Sie das Portfolio", „Holen Sie Angebote ein". Das stimmt alles. Aber sie verschweigen den teuersten Fehler überhaupt – und der hat einen Namen: fehlende Revisionsvereinbarung.

Stellen Sie sich vor: Sie beauftragen ein Portrait, zahlen die Hälfte im Voraus, erhalten nach drei Wochen einen Zwischenstand – und das Gesicht trifft die Ähnlichkeit nicht. Was jetzt? Wenn Sie das vorher nicht besprochen haben, gibt es keine klare Antwort. Mancher Künstler überarbeitet ohne Aufpreis. Mancher nicht. Mancher ist beleidigt. Und Sie sitzen auf einem unfertigen Werk, das Ihnen nicht gefällt, und haben bereits 50 % bezahlt.

Das ist nicht selten. Das ist einer der häufigsten Konflikte in der Auftragsmalerei. Und er ist zu 100 % vermeidbar.

🚩

Kein schriftlicher Vertrag oder keine schriftliche Vereinbarung. Mündliche Absprachen existieren nicht, wenn es zum Streit kommt. Auch eine E-Mail mit den wesentlichen Punkten reicht – aber nichts schriftliches ist ein Warnsignal.

🚩

Keine Zwischenstände / Kein Feedback-Prozess. Ein professioneller Künstler zeigt Ihnen mindestens nach der Skizzenphase und nach dem ersten Farbauftrag den Stand. Wer das nicht tut, macht Überraschungen zum Geschäftsmodell.

🚩

Preis deutlich unter Marktniveau ohne Erklärung. 40-Euro-Ölportrait auf Leinwand – das ist entweder digital, minderwertig oder ein Aufmerksamkeitsfang mit versteckten Kosten.

🚩

Keine eigene Website oder kein dauerhaftes Portfolio. Instagram-only ist kein Qualitätsmerkmal. Wer langfristig Auftragsmalerei betreibt, hat irgendwo eine eigene Präsenz mit abgeschlossenen Werken.

🚩

Vollzahlung im Voraus verlangen. Standard ist 50 % Anzahlung, Rest bei Lieferung. Wer 100 % vorab verlangt, hat entweder schlechte Erfahrungen oder schlechte Absichten.

Schritt-für-Schritt: Was Sie in jeder Situation konkret tun müssen

Hier ist das Herzstück. Für jeden Fall die genaue Handlungsanleitung – kein „es kommt darauf an", sondern konkrete nächste Schritte.

Szenario 01
Portrait einer Person – als Geschenk

Ziel: Ähnliches, lebendiges Bild, das bis zum Geburtstag/Fest fertig ist.

Schritt 1: Vorlaufzeit einplanen. Minimum 6–8 Wochen für ein Ölgemälde, 3–4 Wochen für Aquarell oder Zeichnung. Hochsaison (Oktober–Dezember) deutlich länger – früh anfragen.

Schritt 2: 10–15 Fotos der Person sammeln, verschiedene Winkel, gutes natürliches Licht. Das wichtigste Foto ist das mit dem authentischsten Ausdruck – nicht das posierte.

Schritt 3: Entscheiden: Realistisch oder interpretativ? Zeigen Sie dem Künstler Stil-Referenzen. „Realistisch" allein reicht nicht – zeigen Sie, wie realistisch, von Fotografiergenauigkeit bis zu malerischer Freiheit.

Schritt 4: Hintergrund klären. Neutral? Abstrahiert? Ein bedeutungsvoller Ort? Der Hintergrund macht oft 30 % der Wirkung und wird im Briefing fast immer vergessen.

Schritt 5: Zwischenstand nach Skizze einfordern. Hier die Komposition und Ähnlichkeit bestätigen – nicht erst am Ende.

Szenario 02
Haustier-Portrait

Ziel: Das Tier so, wie Sie es kennen – Ausdruck, Energie, Charakter eingefangen.

Schritt 1: Fotos machen – viele. Mindestens 15, aus verschiedenen Winkeln, in verschiedenen Lichtsituationen. Die meisten Künstler wählen dann das beste aus. Besonders wichtig: Ein Foto, das die Augen scharf und klar zeigt. Die Augen machen das Bild.

Schritt 2: Charakter beschreiben – schriftlich. Nicht nur das Aussehen: Was macht das Tier besonders? Ist es verspielt, würdevoll, faul, aufgeweckt? Diese Information beeinflusst, wie der Künstler das Bild anlegt.

Schritt 3: Technikwahl: Für Haustierportraits sind farbige Bleistift-/Kohlezeichnungen, Aquarell und Ölgemälde alle geeignet. Ölgemälde gibt die meiste Tiefe und Lebendigkeit für Fell und Augen. Günstigere Aquarelle können bei einem guten Künstler ebenso ausdrucksstark sein.

Schritt 4: Hintergrundfrage klären. Einfacher Hintergrund lässt das Tier leuchten. Umgebungs-Szene macht das Bild erzählerischer, kostet aber mehr Arbeitszeit.

Szenario 03
Hochzeitsgemälde / Jubiläumsbild

Ziel: Ein einzigartiges Erinnerungsstück, das den Moment festhalten soll – über Jahrzehnte.

Schritt 1: Frühzeitig beauftragen. Für Hochzeitsgemälde nach dem Fest: direkt nach Erhalt der Hochzeitsfotos beauftragen, nicht nach Monaten. Für Gemälde des Moments (aus Fotos des Tages) planen Sie 8–16 Wochen ein.

Schritt 2: Den Fotografen einbinden. Bitten Sie Ihren Hochzeitsfotografen, besonders auf Rohbilder aus dem unbearbeiteten Set hinzuweisen – RAW-Dateien oder unbearbeitete JPEGs mit echtem Licht sind für den Künstler wertvoller als stimmungsbearbeitete Fotokunst.

Schritt 3: Stil entscheiden. Dokumentarisch (nah am Foto) oder malerisch-impressionistisch (freier, atmosphärischer)? Letzteres altert besser und wirkt in 20 Jahren weniger zeitgebunden.

Schritt 4: Format auf den Raum abstimmen. Wo hängt das Bild? Ein Querformat für über dem Kamin, ein Hochformat für den Flur. Maße vorab messen, mit Rahmen planen.

Szenario 04
Haus / Lieblingsort als Geschenk

Ziel: Ein Ort, der jemanden bedeutet – als handgemaltes Bild.

Schritt 1: Fotos zu verschiedenen Lichtsituationen machen. Goldene Stunde (kurz nach Sonnenaufgang, kurz vor Sonnenuntergang) produziert die wärmste, emotional aufgeladenste Lichtsituation. Auch ein bewölkter Tag kann wunderschön sein – je nach gewünschter Stimmung.

Schritt 2: Perspektive kommunizieren. Frontalansicht oder leicht seitlich? Nah oder aus der Distanz? Sollen Menschen / Autos / Nachbarhäuser sichtbar sein oder fehlen? Kommunizieren Sie das explizit.

Schritt 3: Jahreszeit wählen. Ein Haus im Herbstlicht wirkt anders als im Sommer oder Winter. Wenn die Person sich an einen bestimmten Moment erinnert – versuchen Sie, diese Jahreszeit zu treffen.

Schritt 4: Eventuell mehrere Fotos kombinieren – das beste Licht, der beste Blickwinkel, die perfekte Jahreszeit. Ein guter Künstler kann aus mehreren Referenzen eine Komposition bauen.

Szenario 05
Kleines Budget – trotzdem gutes Ergebnis

Ziel: Qualität maximieren, Kosten minimieren – ohne in die Qualitätsfalle zu tappen.

Schritt 1: Technik nach Budget wählen: Bleistift-/Kohlezeichnung oder Aquarell sind die günstigsten Optionen mit echtem handwerklichem Niveau. Ein gutes Aquarell-Portrait ab 150 Euro ist realistisch.

Schritt 2: Format reduzieren. Ein A4-Werk kostet halb so viel wie A3. Weniger Fläche = weniger Arbeitszeit. Die Qualität muss darunter nicht leiden.

Schritt 3: Komplexität reduzieren. Einzelperson statt Gruppe. Einfacher Hintergrund statt Szene. Eine Figur statt zwei. Jedes zusätzliche Element treibt den Preis.

Schritt 4: Studenten und Nachwuchskünstler in Betracht ziehen – aber mit Portfolio. Kunstakademien haben oft Auftragsvermittlung für Studierende im letzten Jahr. Das Niveau ist häufig überraschend hoch, die Preise noch studentisch.

Szenario 06
Kommerzielle Auftragsmalerei (Unternehmen / Gastronomie)

Ziel: Individuelle Kunst für Räume oder Marken – rechtssicher und nachhaltig.

Schritt 1: Nutzungsrechte klären, bevor der Auftrag erteilt wird. Darf das Werk fotografiert und für Marketingzwecke genutzt werden? Gilt das Urheberrecht weiterhin beim Künstler? Diese Fragen müssen vertraglich geregelt sein.

Schritt 2: Aufwandsschätzung für den Raum einholen. Wandmalerei ist deutlich aufwändiger als Leinwandgemälde und erfordert andere Materialien. Fragen Sie nach Quadratmeterpreisen und Vorab-Skizze.

Schritt 3: Langlebigkeit der Materialien prüfen. In Gastronomieräumen mit Feuchtigkeit und Küchendämpfen: Ölgemälde auf Leinwand ist empfindlicher als Acryl. Wandmalerei mit Acryl oder speziellem Wandlack ist robuster.

Schritt 4: Budget für Pflege einplanen. Professionelle Kunstwerke in öffentlichen Räumen brauchen gelegentliche Restaurierung. Das gilt besonders für Wandmalereien.

Der Vertrag – was drinstehen muss, damit Sie geschützt sind

Das Wort „Vertrag" klingt nach Bürokratie. Ist es nicht. Ein guter Auftragsvertrag ist ein Dokument, das Missverständnisse ausschließt – und damit die Zusammenarbeit entspannter macht, nicht steifer. Ich empfehle ihn bei jedem Auftrag ab 200 Euro. Darunter reicht eine bestätigte E-Mail mit den wesentlichen Punkten.

Genaue Beschreibung des Werks (Technik, Format, Motiv)
Lieferdatum (hart oder flexibel)
Anzahlung und Restzahlung (Zeitpunkt, Betrag)
Anzahl der inkludierten Revisionsrunden (typisch: 1–2)
Was passiert bei Nichtgefallen nach abgeschlossenen Revisionen
Wer trägt die Versandkosten
Nutzungsrechte: Darf der Künstler das Werk für sein Portfolio verwenden?
Was passiert bei Stornierung (durch Auftraggeber oder Künstler)
Der Punkt, der am häufigsten fehlt und der am häufigsten Streit verursacht: Was passiert, wenn dem Auftraggeber das fertige Werk nach abgeschlossenen Revisionen trotzdem nicht gefällt? Ein fairer Vertrag regelt das explizit – zum Beispiel: Nach zwei Revisionsrunden ist das Werk abgenommen, unabhängig von subjektivem Geschmack. Das klingt hart, schützt aber den Künstler vor endlosem Nachbessern und den Auftraggeber vor unklaren Erwartungen.

Ist Auftragsmalerei eine gute Investition? Was wirklich an Wert gewinnt

Ehrlich gesagt: Auftragsmalerei als Investition zu betrachten ist der falsche Ansatz. Ein Auftragsgemälde hat einen einzigartigen emotionalen Wert für Sie – und meist kaum Marktwert für andere. Das ist kein Nachteil, sondern die Natur der Sache. Wer ein Gemälde seiner Familie kauft, kauft kein handelbares Asset.

Anders sieht es aus, wenn Sie Auftragswerke von Künstlern kaufen, die eine nachweisbare Karriere entwickeln. Ein Auftragsgemälde eines aufstrebenden Künstlers, der fünf Jahre später in Galerien ausgestellt wird – das kann im Wert steigen. Aber das ist ein Nebeneffekt, kein Grund für den Kauf.

Was an echtem Wert besteht: Ein hochwertiges Auftragsgemälde auf Leinwand mit guten Materialien hält hundert Jahre. Es ist ein Erbstück. Die emotionalen Kosten, wenn es nach dem Tod eines geliebten Menschen nicht mehr existiert oder nie geschaffen wurde – die sind für viele Menschen höher als jeder Preis. Meine Meinung, die Sie so nirgends lesen werden: Das beste Auftragsgemälde ist das, das Sie jetzt bestellen, nicht das, das Sie sich für „irgendwann" vornehmen.

Was steigt im Wert – und was nicht Auftragswerke etablierter Künstler mit Ausstellungsgeschichte können im Wert steigen. Auftragswerke von unbekannten Künstlern ohne Marktpräsenz: kaum. Reine Portraitwerke ohne Künstler-Signifikanz: nicht. Aber das ist der falsche Maßstab. Fragen Sie sich: Was ist dieses Bild wert, wenn ich in 30 Jahren darauf schaue?

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Vorlaufzeit brauche ich für ein Auftragsgemälde?

Für ein Ölgemälde mindestens 6–10 Wochen, für Aquarell oder Zeichnung 3–5 Wochen. In der Hochsaison (Oktober bis Dezember) sind die meisten Künstler ausgebucht – planen Sie dort doppelte Zeit ein. Immer früher anfragen als Sie glauben zu müssen.

Was, wenn mir das fertige Bild nicht gefällt?

Das hängt vollständig vom Vertrag ab. Deshalb ist eine Revisionsregelung so wichtig. Wenn der Künstler die vertraglich vereinbarten Revisionen geliefert hat und das Bild dem Briefing entspricht, ist er seiner Pflicht nachgekommen. Subjektives Nichtgefallen nach abgeschlossenen Revisionen ist kein Rückgabegrund. Deshalb: klares Briefing, klare Zwischenstände, klare Kommunikation von Anfang an.

Kann ich ein Foto als Vorlage verwenden, das jemand anderes gemacht hat?

Das Urheberrecht liegt beim Fotografen. Wenn Sie ein Foto eines professionellen Fotografen als Vorlage für ein Gemälde nutzen, kann das rechtliche Konsequenzen haben – besonders wenn das Gemälde veröffentlicht oder verkauft wird. Für private, nicht-kommerzielle Aufträge ist das Risiko gering, aber es existiert. Sicher ist: eigene Fotos verwenden.

Darf der Künstler das Bild für sein Portfolio verwenden?

In der Regel ja – aber fragen Sie explizit, wenn das für Sie ein Problem ist. Bei sensiblen Motiven (Kinder, intime Familienszenen) können Sie im Vertrag festhalten, dass das Werk nicht öffentlich geteilt wird. Ein seriöser Künstler respektiert das.

Ist eine Anzahlung von 50 % normal?

Ja, das ist Branchenstandard. Die Anzahlung sichert dem Künstler die Zeit im Kalender und deckt Materialkosten. Wer keine Anzahlung verlangt, hat entweder keinen vollen Kalender oder noch keine professionelle Praxis. Beides ist kein gutes Zeichen für die Qualität.

Was ist der Unterschied zwischen Auftragsmalerei und einem Kunstdruck?

Ein Auftragsgemälde ist ein einmaliges, handgemaltes Original – ein Unikat, das für Sie und nach Ihren Vorgaben geschaffen wird. Ein Kunstdruck ist die reproduzierte Version eines bestehenden Werks. Drucke sind deutlich günstiger und für viele Zwecke vollkommen ausreichend. Für persönliche Motive (Portrait, Haustier, Lieblingsort) macht jedoch nur ein Originalauftrag Sinn.

Kann ein Gemälde auch als digitale Datei geliefert werden?

Ja – besonders bei digitaler Malerei. Sie erhalten dann eine hochauflösende Datei, die Sie selbst drucken können. Achten Sie auf die Druckauflösung (mindestens 300 dpi im Endformat). Und fragen Sie vorab: Darf die Datei mehrfach gedruckt werden, oder ist der Druck einmalig?

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Auftrag anfragen

Quellenverzeichnis

  1. KfW Bankengruppe: Kunstmarkt und Kulturwirtschaft in Deutschland. kfw.de. Abgerufen am 01.11.2024.
  2. Art Basel & UBS: The Art Market Report 2024. artbasel.com. Abgerufen am 01.11.2024.
  3. Kunstrecht.de: Urheberrecht bei Auftragswerken – Grundlagen. kunstrecht.de. Abgerufen am 01.11.2024.
  4. Artprice.com: Emerging Artists & Commission Market Report 2023. artprice.com. Abgerufen am 01.11.2024.
  5. Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK): Honorarempfehlungen für Auftragsarbeiten. bbk-bundesverband.de. Abgerufen am 01.11.2024.

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